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Observer

Nach dem Anschlag von Bondi: Zeigt Albanese den Mut Howards?

Sollte die Untersuchung eine iranische Beteiligung am Massaker von Bondi bestätigen, muss Canberra die diplomatischen Beziehungen zu Teheran abbrechen.

Australian Prime Minister Anthony Albanese.
Der australische Premierminister Anthony Albanese. · Shutterstock

Elf Juden wurden am 14. Dezember 2025 am Bondi Beach ermordet, als sie Chanukka feierten. Unter den Toten: Rabbiner Eli Schlanger, der die jüdische Gemeinde Sydneys achtzehn Jahre lang betreut hatte. Später fand die Polizei im Fahrzeug der Angreifer selbstgebaute Sprengsätze. Es war Australiens tödlichste Massenerschießung seit Port Arthur – und der vorhersehbarste Terroranschlag in der Geschichte des Landes.

Sechsundzwanzig Monate lang häuften sich die Warnsignale. Sechsundzwanzig Monate lang behandelte die Regierung Albanese eine heraufziehende Terrorkampagne als Problem der Beziehungen zwischen Bevölkerungsgruppen. Das Ergebnis liegt nun auf dem blutbefleckten Sand des berühmtesten Strandes Australiens.

Die Entwicklung war unverkennbar. Am 9. Oktober 2023, zwei Tage nach dem Massaker der Hamas in Israel, zog ein Mob vor das Sydney Opera House, verbrannte israelische Flaggen und skandierte Drohungen gegen Juden, während die Polizei der jüdischen Gemeinde riet, sich fernzuhalten, statt die Menge aufzulösen. Dieses Versäumnis, die elementare öffentliche Ordnung durchzusetzen, schuf das permissive Umfeld für alles, was folgte.

Was folgte, war eine systematische Eskalation. Der Executive Council of Australian Jewry (Exekutivrat des australischen Judentums) dokumentierte im Jahr nach dem 7. Oktober einen Anstieg antisemitischer Vorfälle um 316 Prozent. Die Belästigung erkennbar jüdischer Menschen wurde zur Routine. Jüdische Geschäfte wurden verwüstet. Dann kam die Brandanschlagsserie: Lewis' Continental Kitchen, ein koscheres Café in Bondi, wurde im Oktober 2024 mit Brandsätzen angegriffen. Die Adass-Israel-Synagoge in Melbourne wurde im Dezember 2024 in Brand gesetzt.

Im August 2025 sah sich Premierminister Anthony Albanese gezwungen einzuräumen, was der australische Inlandsnachrichtendienst ASIO (Australian Security Intelligence Organisation) festgestellt hatte: Das iranische Korps der Islamischen Revolutionsgarden hatte beide Anschläge gesteuert und dabei lokale Kriminelle als Handlanger eingesetzt. Australien wies den iranischen Botschafter aus – die erste solche Ausweisung seit dem Zweiten Weltkrieg. Doch die operativen Netzwerke blieben weitgehend intakt, und die Eskalation setzte sich fort.

Der Generaldirektor des australischen Inlandsnachrichtendienstes ASIO, Mike Burgess, hätte es nicht deutlicher sagen können. Im Februar 2025 erklärte er, „was Bedrohungen für Leib und Leben angeht, ist unsere oberste Priorität derzeit die Ermittlung zu antisemitischen Taten in diesem Land“ – es war das erste Mal, dass irgendeine Form von Rassismus als höchste Bedrohungskategorie des ASIO benannt wurde. Er warnte, die Bedrohungen seien „von Belästigung und Einschüchterung übergegangen zur gezielten Auswahl jüdischer Gemeinden, Gotteshäuser und prominenter Persönlichkeiten als Ziele“.

Israelische Vertreter übermittelten wiederholt dieselben Warnungen. Nach Bondi erklärte Außenminister Gideon Sa’ar unverblümt: „Die australische Regierung, die unzählige Warnsignale erhalten hat, muss zur Vernunft kommen.“ Die Warnungen wurden gehört, aber sie wurden nicht beherzigt.

Der Reaktionsrahmen der Regierung blieb grundlegend unzureichend. Sie ernannte einen Sonderbeauftragten zur Bekämpfung des Antisemitismus (Special Envoy to Combat Antisemitism) und setzte Taskforces für „sozialen Zusammenhalt“ ein. Sie finanzierte Schulungsprogramme. Unterdessen war Hizb ut-Tahrir – in Großbritannien, Deutschland und in großen Teilen Europas wegen Verherrlichung des Terrorismus verboten – in Australien weiterhin offen tätig, rekrutierte an Universitäten und speiste revolutionäre islamistische Ideologie in zuvor breiter angelegte Protestbewegungen ein.

Dieses institutionelle Versagen verweist auf eine tiefere Lähmung. Die Regierung Albanese war bereit, rechtsextreme Symbole zu verbieten, aber nicht willens, islamistischen Extremismus mit vergleichbarer Härte zu begegnen. Ob dies aus Furcht vor Vorwürfen der „Islamophobie“, aus Wahlkalkül im Westen Sydneys oder aus schlichter diplomatischer Zaghaftigkeit gegenüber Iran herrührt – die Wirkung war dieselbe: ein permissives Umfeld, in dem Hass auf Juden von Sprechchören über Brandstiftung bis zum Massenmord eskalieren kann.

Australien hat schon früher gezeigt, dass es auf ein nationales Trauma mit umgestaltendem Handeln reagieren kann. Nach Port Arthur im Jahr 1996 erreichte Premierminister John Howard binnen zwölf Tagen eine einstimmige Zustimmung zum National Firearms Agreement (Nationales Waffenabkommen). Er reiste in feindselige Gemeinden und trug dabei eine schusssichere Weste. Er setzte politisches Kapital ein, weil er verstand, dass entscheidende Momente entschlossene Führung erfordern.

Das Massaker von Bondi verlangt eine gleichwertige Reaktion – nicht gegen Schusswaffen, die bereits streng kontrolliert sind, sondern gegen die ideologische und institutionelle Infrastruktur, die die Mörder hervorgebracht hat.

Das bedeutet die unverzügliche Verbotsverfügung gegen Hizb ut-Tahrir und jede Organisation, die die Schwelle zur Verherrlichung des Terrorismus überschreitet. Es bedeutet, das Foreign Influence Transparency Scheme (Transparenzregister für ausländische Einflussnahme) als Waffe einzusetzen, um Finanzströme aus Iran, Katar und von anderen feindlichen Staatsakteuren an australische religiöse Einrichtungen und Universitäten offenzulegen und zu kappen. Es bedeutet, Bundesmittel davon abhängig zu machen, dass Universitäten die Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (Internationale Allianz zum Holocaust-Gedenken) durchsetzen. Es bedeutet, dauerhaft Mittel für die Sicherheit jüdischer Schulen und Synagogen bereitzustellen und anzuerkennen, dass die Bedrohung dieser Einrichtungen ein Versagen der nationalen Sicherheit ist und keine private Last.

Sollte die Untersuchung eine iranische Beteiligung am Massaker von Bondi bestätigen – und die Kennzeichen staatlich gelenkten Terrorismus sind unverkennbar –, muss Australien militärisches Vorgehen verbündeter Staaten gegen Einrichtungen der Islamischen Revolutionsgarden unterstützen und die diplomatischen Beziehungen zu Teheran abbrechen.

Terroristen ermordeten elf Australier, die Chanukka-Kerzen anzündeten, und verwundeten neunundzwanzig weitere. Die Zeit für Solidaritätsbekundungen und kleinteilige Maßnahmen ist vorbei.

1996 verstand Howard, dass ererbtes politisches Kapital schwindet, ob man es einsetzt oder nicht; die einzige Frage ist, ob es durch Handeln oder durch Untätigkeit schwindet. Albanese steht nun vor derselben Prüfung. Nicht nur die australische Nation schaut zu, sondern die ganze Welt.