Kann Iran den Zusammenbruch der heimischen Energieversorgung abwenden?
Die Regierung kürzt die Treibstoffquoten und erwägt digitale Tankkarten, gestaffelte Preise und Energiegutscheine.
Umud Shokri ist ein in Washington, D.C. ansässiger Energiestratege und außenpolitischer Berater mit mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung in den Bereichen Energiesicherheit, Klimapolitik und globalen Energiewenden.

Iran verbraucht pro Kopf mehr Energie als viele entwickelte Länder, doch die schlechte Energieeffizienz führt zu erheblicher Verschwendung. Die Hauptursachen sind Energiesubventionen und Preissysteme, die den Marktrealitäten zuwiderlaufen. Zwar begründet die iranische Führung beide Maßnahmen mit Preisstabilität und dem Ziel, benachteiligte Gruppen zu schützen, doch die Auswirkungen auf Energiesicherheit, Wirtschaft und Umwelt sind gravierend.
Iran verfügt über enorme Gas- und Ölvorkommen, doch sein Energiesektor leidet unter chronischer Unterinvestition, maroder Infrastruktur und Sanktionen. Durch veraltete Raffinerien, Übertragungsleitungen und Verteilnetze ist das System sowohl physischen als auch Cyberbedrohungen ausgesetzt. Der eingeschränkte Zugang zu ausländischem Kapital und Technologie treibt die Produktionskosten weiter in die Höhe. Gasengpässe im Winter und Stromausfälle im Sommer sind Alltag. Iran ist inzwischen zunehmend auf schwankende heimische Produktion und sporadische Importe aus Russland und Turkmenistan angewiesen.
Das Energieministerium und der staatliche Stromkonzern Iran Power Generation, Distribution, and Transmission Company (Tavanir) haben versucht, den Verbrauch zu drosseln, insbesondere im Wohnsektor, der mehr als 60 Prozent des Stromverbrauchs ausmacht. Haushalte, die ihren Verbrauch senken, erhalten Vergünstigungen bei Internetpaketen, Elektroautos, Haushaltsgeräten und Stromrechnungen. Diese Anreizprogramme ähneln Energiegutschein-Programmen in Kanada, Griechenland, Frankreich und den Niederlanden, doch in der Islamischen Republik gehen solche Modelle nicht an die Ineffizienzen bei Preisgestaltung und Infrastruktur heran – und werden die eigentlichen Probleme daher nicht lösen.
Nehmen wir die Subventionen: Niedrige Energiekosten erhöhen nicht das Gemeinwohl; vielmehr fördern sie Verschwendung, Umweltverschmutzung und fehlende Investitionen in saubere Technologien. Nach Angaben von Shahram Dabiri Oskuei, von August 2024 bis April 2025 Vizepräsident Irans, belaufen sich die iranischen Energiesubventionen auf 127 Milliarden Dollar pro Jahr. Die Kluft zwischen den heimischen und den internationalen Energiepreisen sei nicht zu rechtfertigen, sagt er. Mohsen Rouhani, ehemaliger Direktor des Smart Fuel System, erklärte: „Wir stellen seit 2008 Energiegutscheine bereit, damit die Verbraucher Treibstoff nach Bedarf kaufen können. Wichtige Voraussetzungen sind jedoch bis heute nicht erfüllt. Anwohner melden ihre Zähler häufig nicht an. Ohne verlässliche Daten und modernisierte Infrastruktur kann ein solches System nicht funktionieren.“
Die Islamische Republik muss aus ihrem früheren Benzinrationierungsmodell lernen. Präsident Mahmoud Ahmadinejad führte 2007 ein System ein, das die Menge an Treibstoff begrenzte, die jedes Auto monatlich zu subventionierten Preisen kaufen durfte. Die Iraner erhielten eine Debitkarte zur Verwendung an Tankstellen. Obwohl damit angeblich der Tagesverbrauch um 20 Millionen Liter sank, führte es zu Demonstrationen, Angriffen auf Tankstellen und der Entstehung eines Schwarzmarkts. Verschiedene iranische Gruppen – zunächst das Islamic Revolutionary Guard Corps, dann Taxifahrer und schließlich weitere Interessengruppen – lobbyierten und agitierten dafür, die Zuteilungen zu erhöhen und an andere Interessengruppen anzugleichen. Bis 2008 war klar, dass das Modell gescheitert war. Um unterdessen die Folgen von Preiserhöhungen für Haushalte mit geringem Einkommen abzumildern, ging Iran 2010 von pauschalen Subventionen zu direkten Bargeldtransfers über.
Da sich die Krise zuspitzt, versucht die Regierung von Masoud Pezeshkian nun erneut, das Problem anzugehen. Sie senkt die Treibstoffquoten und erwägt digitale Tankkarten, gestaffelte Preise und Energiegutscheine. Die Inflation mindert allerdings den Wert der Bargeldzahlungen.
Die Regierung fördert Solarenergie. Bis 2026 will sie 11,5 Gigawatt Solarkapazität hinzufügen und verpflichtet Neubauten zur Installation von Solarmodulen, doch ihre Fähigkeit, ausländische Investitionen anzuziehen, bleibt begrenzt.
Die Zeit läuft davon, doch es ist unklar, ob die Regierung der Aufgabe gewachsen ist oder den Schock für Menschen abfedern kann, die sich wegen der hohen Inflation ohnehin kaum über Wasser halten. Ebenso unklar ist, ob die Regierung verhindern kann, dass das Islamic Revolutionary Guard Corps Reformen torpediert, um seine gesellschaftlichen Privilegien zu wahren. Gutscheine und andere kurzfristige Initiativen werden nicht wirken, solange nicht kompetente Fachleute ermächtigt, strukturelle Anpassungen umgesetzt und eine moderne Infrastruktur aufgebaut werden.
Die Islamische Republik erlebt seit einem Jahrzehnt wiederkehrende Proteste über die Wirtschaftslage, Benzinpreiserhöhungen, Wasserknappheit und Umweltzerstörung. Unmittelbar vor ihrem zwölftägigen Krieg mit Israel überstand sie Wochen eines Streiks im Transport- und Logistikgewerbe. Der Zusammenbruch des iranischen Stromnetzes und Energiesystems zeichnet sich immer deutlicher als die nächste Krise am Horizont ab. Jeder Iraner – gewöhnliche Bürger, Regierungsbeamte und Militäroffiziere – sieht sie kommen, und doch erscheint es unwahrscheinlich, dass irgendjemand dieses Zugunglück in Zeitlupe abwenden kann.
