Die Illusion einer vereinten Peschmerga in Irakisch-Kurdistan
Beide Parteien kontrollieren weiterhin die kürzlich umbenannten kurdischen Streitkräfte und die Gräben, die sie durchziehen.

Am 10. September 2026 gab das Ministerium für Peschmerga-Angelegenheiten in der Kurdistan-Region des Irak den Abschluss des Prozesses zur Vereinigung der Streitkräfte bekannt, die den beiden regierenden Parteien der Region angehören, der Demokratischen Partei Kurdistans und der Patriotischen Union Kurdistans. Normalerweise wäre das ein Grund zum Feiern. Schließlich ist es das erste Mal, dass Regierungsvertreter die kurdischen Streitkräfte formal einem einheitlichen Verteidigungskommando unterstellt haben. Doch die Lage vor Ort zeichnet ein ganz anderes Bild als diese vorgebliche Vereinigung.
Die kurdischen Streitkräfte, bekannt als Peschmerga, sind seit der Erlangung der Autonomie der Kurdistan-Region im Jahr 1991 gespalten geblieben und werden von den beiden regierenden Parteien der Region kontrolliert, trotz der Einrichtung eines Ministeriums für Peschmerga-Angelegenheiten bei der Bildung der ersten Regionalregierung im Jahr darauf. In jenen frühen Jahren setzten die beiden Seiten ihre jeweiligen Peschmerga-Kräfte in einem Bürgerkrieg gegeneinander ein, der Tausende Menschenleben forderte. Zwar erkannte die irakische Verfassung von 2005 den Status der Kurdistan-Region nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein formal an, doch trug dies wenig zur Vereinigung der kurdischen Streitkräfte bei.
Seit mehreren Jahren bemühen sich die Vereinigten Staaten darum, die beiden kurdischen Streitkräfte dem Kommando des Ministeriums für Peschmerga-Angelegenheiten zu unterstellen. Während des Krieges gegen den Islamischen Staat unterstützten die kurdischen Kräfte die von den USA geführten Bemühungen, die Terrorgruppe zu besiegen. Doch trotz jährlicher Hilfen in Millionenhöhe gelang es der US-Regierung nicht, die beiden kurdischen Parteien zu einer vollständigen Vereinigung ihrer Streitkräfte zu bewegen.
Bei den fraglichen Verbänden handelt es sich um die sogenannten 80er-Kräfte, die der Demokratischen Partei Kurdistans angehören, und die 70er-Kräfte, die der Patriotischen Union Kurdistans angehören. Die jüngste Vereinigungsankündigung scheint jedoch lediglich die alten Bezeichnungen durch neue ersetzt zu haben. Die 80er-Kräfte werden nun als Gebiet Eins geführt, die 70er-Kräfte wurden in Gebiet Zwei umbenannt. Innerhalb dieser beiden Gebiete sollen elf Divisionen unter dem Kommando des Ministeriums für Peschmerga-Angelegenheiten operieren. Die kurdischen Behörden mögen diese Umstrukturierung als Reform bezeichnen, die Realität sieht anders aus: Beide politischen Parteien kontrollieren weiterhin die neu geschaffenen Gebiete und die Divisionen darin. Die Demokratische Partei Kurdistans kontrolliert sechs Divisionen, jene mit ungeraden Nummern; die Patriotische Union Kurdistans kontrolliert die übrigen fünf.
In diesem Zusammenhang ist der Zeitpunkt der Ankündigung bedeutsam, denn sie erfolgt nur wenige Wochen vor dem 30. September, dem Stichtag für den Abzug der US-Truppen aus dem Irak. Berichten zufolge wird das US-Militär die Peschmerga nach diesem Datum nicht mehr unterstützen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Vereinigungsankündigung als Signal an Washington, dass dessen Bemühungen der vergangenen Jahre nicht vergeblich waren und dass eine fortgesetzte US-Unterstützung für die Peschmerga über den 30. September hinaus weiterhin gerechtfertigt ist.
Der gegenwärtige politische Stillstand in Irakisch-Kurdistan lässt zusätzliche Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Peschmerga-Vereinigung aufkommen. Den beiden regierenden Parteien ist es seit den Parlamentswahlen im Oktober 2024 nicht gelungen, eine neue Regierung zu bilden, wodurch die politischen Institutionen der Region weitgehend gelähmt sind. Wenn sich die beiden Parteien nicht auf eine Regierungsbildung einigen können, ist schwer vorstellbar, wie sie im militärischen Bereich eine echte Einheit erreicht haben sollten.
Irakisch-Kurdistan verliert allmählich die Autonomie, die es jahrzehntelang genossen hat. Bagdad, Ankara und Teheran arbeiten zunehmend zusammen, um den autonomen Status der Region zu untergraben. Doch statt sich tatsächlich zu vereinen, um den existenziellen Bedrohungen der kurdischen Selbstverwaltung zu begegnen, bleiben die Demokratische Partei Kurdistans und die Patriotische Union Kurdistans in einem Kampf um politische Macht verstrickt. Keine der beiden Parteien dürfte die Kontrolle über die Peschmerga-Kräfte aufgeben, denn diese Kontrolle verschafft erheblichen Einfluss auf die politische Macht in der Region. So ist es seit Jahrzehnten, und so wird es bleiben, solange Irakisch-Kurdistan seine Autonomie behält.
Die weiteren Entwicklungen in Irakisch-Kurdistan legen nahe, dass die beiden Parteien stärker darauf bedacht waren, ihre Einflusssphären zu bewahren, als die Autonomie der Region zu sichern. Die jüngste Peschmerga-Ankündigung lässt sich daher kaum als etwas anderes deuten als als ein weiterer Appell an Washington um fortgesetzte finanzielle Unterstützung.
